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Manager versemmeln Milliarden. Und eine Kassiererin wird wegen 1,30 Euro gefeuert.

Allgemein

Kaiser´s liebt Mitarbeiter...

Und eine Kassiererin wird wegen 1,30 Euro gefeuert. Ist das fair?

Es war wegen zwei Pfandbons! Im Wert von insgesamt 1,30 Euro! Die Berliner Supermarkt-Kassiererin Barbara E. (50) soll sie unterschlagen haben – wurde deshalb gekündigt! Sie zog dagegen vors Gericht. Vergeblich.

Das Landesarbeitsgericht hat jetzt in zweiter Instanz die fristlose Kündigung der Kassiererin bestätigt. Grund: Eine Kassiererin müsse „unbedingte Zuverlässigkeit und absolute Korrektheit“ zeigen! Besonders bitter: Die Angestellte hatte zuvor 31 Jahre für die Supermarkt-Kette gearbeitet!

Immer ein Kündigungsgrund sei der Vertrauensverlust, nicht aber der Wert der Sache. Über die fristlose Kündigung hinaus seien auch die Voraussetzungen einer „Verdachtskündigung“ erfüllt gewesen, teilte das Gericht mit.
Voraussetzung dafür sei das Vorliegen eines „dringenden“ Verdachts einer Straftat, der sich auf objektive Tatsachen, nicht aber auf bloße Unterstellungen des Arbeitgebers gründe. Dies sei hier der Fall gewesen. Die Unterschlagung als solche stehe nach Überzeugung des Gerichts fest. Dafür sprächen die von ihr selbst eingeräumten Umstände, das Kassenjournal und Zeugenaussagen, hieß es. Sie war aber vor Gericht von Kolleginnen belastet worden.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass die 50-Jährige die Pfandbons aus dem Kassenbüro für sich selbst eingelöst hatte. Die dreifache Mutter und zweifache Großmutter hatte eine Unterschlagung bestritten!

Geschehen ist die Sache mit den Pfandbons bereits vor gut einem Jahr, an einem Dienstagnachmittag, Ende Januar. Kurz nach Dienstschluss kauft Barbara E. an ihrem Arbeitsplatz im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen schnell noch ein paar Sachen ein und zahlt dabei unter anderem mit den besagten Pfandbons. Drei Tage später bittet die Distriktmanagerin sie zum Gespräch. In der Garderobe muss Barbara E. erst die Kitteltaschen leeren, dann den Rucksack und schließlich den Spind. Gefunden wird nichts, doch der Vorwurf bleibt: Barbara E. soll Pfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst haben, die ein Kunde zuvor verloren hat.

Die einzige Zeugin ist eine Kollegin. Barbara E. bestreitet die Tat vehement: "Ich fange doch nach 31 Jahren nicht an zu stehlen!"

Doch alles Klagen half nichts: Im vergangenen Sommer lehnte das Arbeitsgericht Berlin Barbara E.s Klage gegen den alten Arbeitgeber ab. In der Begründung heißt es: "Betrug kann selbst dann als Grund zur fristlosen Entlassung ausreichen, wenn es sich um einen einmaligen Vorfall und um einen geringen Betrag handelt." Zudem könne nicht nur eine erwiesene Vertragsverletzung, sondern bereits der schwerwiegende Verdacht, Grund zur außerordentlichen Kündigung sein.

Kommentar von Hartmut Laser:

Es ist schon ein merkwürdiges Urteil, das vom Berliner Landesarbeitsgericht gesprochen wurde. Allein der Verdacht möglicherweise etwas unterschlagen zu haben, soll ausreichen um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen. Schon der Ausspruch eines Verdachtes soll ein so schwerer Vertrauensmissbrauch sein um eine fristlose Kündigung zu rechtfertigen.

Ich krieg bei so einem Urteil ganz einfach Bauchschmerzen. Als ehemaliges Betriebsratsmitglied ist für mich klar, hat die Beschuldigte diese 1,30 Euro zweifelsfrei unterschlagen, dann ist das Urteil korrekt und richtig. Ein Diebstahl, egal in welcher Größenordnung führt zu einer Kündigung auf fristlos.
Dieser Kündigung würde ich als Betriebsrat sogar zustimmen um ehrliche Mitarbeiter und das Unternehmen zu schützen.

Nur kommen bei mir bei diesem Urteil die Zweifel auf, weil das Arbeitsgericht sich lediglich auf die Aussage einer einzigen Zeugin beruft und daraus schlussfolgert: „Die Unterschlagung als solche stehe nach Überzeugung des Gerichts fest“.

Der Urteilsgrundsatz: „Im Zweifel für den Angeklagten“ scheint hier nicht im Geringsten zu gelten.

Wir können den Verdacht nicht loswerden, dass der Arbeitgeber diese Zeugin wohlmöglich beeinflusst haben könnte um eine unbequeme Mitarbeiterin, die auch noch Unruhe gestiftet hatte, loswerden will. Die Einzelhandelsbranche geht mit ihren Arbeitnehmern nicht gerade sanft um, das wissen wir aus den Berichten über Lidl, Schlecker usw.

Wer traut sich denn jetzt noch den Mund aufzumachen wenn man so einfach eine Verdachtskündigung durchgesetzt bekommt. Ich kaufe mir einen Zeugen und spreche gegen ein Betriebsratsmitglied eine Verdachtskündigung aus und bin unbequeme Mitarbeiter schnellstmöglich los. Das Sonderkündigungsrecht das Betriebsräte schützt wirkt somit nicht mehr.

Die Verdachtskündigung ist in Deutschland nichts Ungewöhnliches. Die zentrale Argumentationslinie des Bundesarbeitsgerichts ist das Vertrauen. Anders als im Strafrecht gilt daher im Arbeitsrecht nach ständiger Rechtsprechung weder die Beweispflicht noch der Geringfügigkeitsgrundsatz. So wurde etwa 1984 im sogenannten Bienenstichurteil die fristlose Kündigung einer Bäckereiverkäuferin bestätigt, die unerlaubt ein Stück Bienenstich gegessen haben soll.

Kommentar eines Lesers:
Also ich finde die Diskussion sehr affig. Wer klaut, fliegt..und wenn es nur 10 cent sind. fertig aus.
Vorallem von einer Gewerkschafterin kann man erwarten, dass dies klar sein müsste, ich finde hier müsste noch härter durchgegriffen werden, denn sie hat ja sogar in gewisser Weise eine Vorbildfunktion. Fertig aus. Ich würde genauso handeln, wenn einer meiner Mitarbeiter dies gemacht hätte. Und irgendwo muss der Verdacht ja schließlich auch begründet sein. Und jetzt auf arme Gewerkschafterin zu machen, die Opfer geworden ist, finde ich echt nicht gut....